Prolog :  Das französische Schulsystem -
Rückblick: 30 Jahre Bildungsreform

Bis 1959 gab es in Frankreich ein konsequent vertikal gegliedertes Schulsystem: Die Mehrzahl der Kinder besuchte im Anschluss an die fünfjährige Primarschule (ecole primaire elementaire) sog. Abschlussklassen (classes de fin détudes), leistungsstärkere Kinder setzten ihre Bildung in Aufbaukursen (Cours complémentaire) mit dem Ziel eines mittleren Bildungsabschlusses (brevet détudes du premier cycle, B.E.P.C.) fort, und nur einer kleinen Schicht der Bevölkerung war das Lycée vorbehalten. Das Lycée führte dabei auch Klassen für Grundschulkinder (petit lycée). Der in den 60er Jahren überall in Europa vernehmbare Ruf nach einer Demokratisierung des Bildungswesens, nach mehr Durchlässigkeit und der Förderung benachteiligter Schichten sowie höhere Erwartungen und Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der allgemeinen und beruflichen Bildung" führten in der Fünften Republik jedoch schrittweise zu einem in drei Stufen horizontal gegliederten Schulsystem bestehend aus Primarschule, Collége und Lycée.

Eine Etappe auf dem Weg zu der horizontalen Struktur des derzeitigen Schulwesen in Frankreich war die Schaffung des Collége d'enseingnement secondaire (CES) unter Bildungsminister Christian Fouchet 1963. Die CES sollte alle Kinder zwischen 11 und 15 Jahren aufnehmen und die parallelen Schulformen Primarschule und Gymnasium in diesen Jahrgängen aufheben. Die CES war dabei allerdings zunächst noch in vier Abteilungen gegliedert, von denen zwei die Schüler auf die Fortsetzung ihrer Laufbahn im Lyzeum vorbereiteten und zwei auf berufsbildende Ausbildungsgänge oder auf einen Arbeitsplatz orientierten. Mit der Schaffung der CES wurde den Schülern ein Schullaufbahnwechsel erleichtert, weil alle Kurse jetzt unter einem Dach durchgeführt wurden, im Kern jedoch blieb das Problem der mangelnden Durchlässigkeit ungelöst, denn in Wirklichkeit bildete ein Wechsel von einem berufsorientierenden auf einen allgemeinbildenden Bildungsgang die Ausnahme. Die Gründe dafür lagen in den zu unterschiedlichen Curricula und Methoden der verschiedenen Züge.

Zu den Problemen der Binnenstruktur der CES kamen im Verlauf der Jahre zusätzliche Schwierigkeiten, die sich aus der nur inkonsequent betriebenen Umwandlung der Schulstruktur ergaben. Da die Regierung in Paris um die Herstellung eines Höchstmaßes an Akzeptanz für ihre Ziele bemüht war, ging sie bei der Umsetzung ihres Programms derart zögerlich vor, dass Anfang der 70er Jahre noch alle Schulformen parallel zu der neuen Schulart bestanden. Um die wildwüchsig entstehende Schullandschaft besser organisieren zu können, wurde im Bereich der Sekundarstufe schließlich eine zentral gesteuerte Schulentwicklungsplanung geschaffen, die "carte scolaire".

In den Siebzigerjahren konzentrierte die Regierung in Paris ihre bildungspolitischen Anstrengungen auf die Reduzierung der Wiederholerquoten und der Rückläufer, die Einführung eines Sekundarschulabschlusses für alle Schüler und auf eine stärkere Koordination von allgemeiner und beruflicher Bildung. Der entscheidende Durchbruch zu dem Ziel von mehr Chancengleichheit gelang nach der Machtübernahme der ersten linken Regierung der Fünften Republik. Der neue Bildungsminister, Alain Savary, bekam 1982 einen um rund 17 Prozent höheren Bildungsetat als sein Vorgänger und konnte so mit etwa 34.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen im Bildungswesen die Äußern Rahmenbedingungen und damit auch die erforderliche Akzeptanz für die noch notwendigen weiteren strukturellen Veränderungen schaffen. Die horizontale Gliederung des Schulwesens ist seitdem in Frankreich fest verankert. Die Strukturdebatte wurde abgelöst von einer fortlaufenden Diskussion über Arbeits- und Lernbedingungen in Schule und Hochschule sowie über die nach wie vor nicht gedeckt Bildungsnachfrage.


Auch heute gilt: Paris entscheidet
Seit Napoleon werden in Frankreich alle wesentlichen Entscheidungen in Paris getroffen. Das gilt auch - wenn auch zunehmend weniger - für die Bildungspolitik. Trotz aller Bemühungen um eine Dezentralisierung des Bildungswesens sind die traditionellen Kompetenzzuordnungen geblieben: Das Ministerium für nationale Erziehung in Paris plant, lenkt und leitet das öffentliche Schulwesen und kontrolliert die Privatschulen. Der Erziehungsminister und die ihm unterstellte Verwaltung sind zuständig für die Organisation der Bildungseinrichtungen, die Lehrpläne, Prüfungen und Inhalte sowie für die Ausbildung der Lehrer.

Auf regionaler Ebene wird der Bildungsminister von 27 "Rektoren" vertreten, wobei jeder Rektor eine Verwaltungseinheit oder einen Verwaltungsbezirk, "Académie" genannt, leitet. Jede "Académie" ist zuständig für mehrere (meist vier bis fünf) "Départements". Im Laufe der letzten Jahre wurde den "Académien" und den kommunalen Stellen zunehmend größere Selbständigkeit eingeräumt. Die "Académien" haben einheitliche Verwaltungsstrukturen mit einem Inspektorat, verschiedenen regionalen Beiräten, regionalen Vertretern von Stiftungen, Informations-, und Beratungs- und Schulgesundheitsdiensten.

Die privaten Bildungseinrichtungen unterstehen der Aufsicht verschiedener religiöser Orden, Berufsverbände oder Einzelpersonen. Sie werden in erheblichem Umfang staatlich subventioniert, sind in ihrer Arbeit jedoch an eine Reihe von Auflagen (Qualifikation des pädagogischen Personals, Lehrpläne) gebunden."'

(Quelle: http://www.spd-bildungsserver.de/internationales/
frankreich.htm)






 

 
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